Stellen Sie sich vor:
Sie sitzen zu Hause und planen, wie sie im kommenden Jahr mit Ihren Einnahmen hinkommen wollen.
Ein paar Ihrer Ausgaben kennen Sie sehr gut. Sie wissen zum Beispiel, wie viel Sie an Miete zahlen werden. Ein paar Ihrer Ausgaben können Sie einschätzen, Sie können sich überlegen, was Sie etwa an Lebensmitteln brauchen werden. Viele Ihrer Ausgaben kennen Sie nicht vorher. Es kann sein, dass der Kühlschrank kaputt geht und Sie einen Neuen brauchen.
Schwierig? Klar, aber schließlich muss jeder von uns genau so etwas für sich –mehr oder minder detailliert- immer mal wieder machen.
Jetzt machen Sie das gleiche, wenn Sie keine –oder wenig- Ahnung haben, was Sie einnehmen werden.
Dann wissen Sie, was es heißt einen Haushalt zu erstellen.
Wenn der Deutsche Bundestag sich nach den Vorschlägen des Bundesministers der Finanzen an die Beratung des Haushaltes für das kommende Jahr macht, gibt es viele Unwägbarkeiten. Niemand weiß wie sich die Wirtschaft entwickeln wird. Es gibt dazu natürlich Schätzungen und viele von diesen liegen in vielen Fällen richtig, aber genau wissen wir es nicht und die nächste Krise kommt bestimmt (hoffentlich nicht zu bald). Wenn ich aber nicht weiß, wie sich die Wirtschaft entwickelt, kann ich auch nur schätzen, wie sich die Steuereinahmen entwickeln. Das hängt von ganz vielen Faktoren ab. Was verdienen die Unternehmen? Was investieren selbige? Wie viel Menschen sind in „Lohn und Brot“? Was wird umsatzsteuerpflichtig konsumiert?
Oder um ein aktuelles Beispiele zu nennen:
Wie viel bringt eine Luftverkehrsabgabe genau? Fliegen die Menschen dann vielleicht nicht weniger?
Ich kenne aber auch die Ausgabenseite nicht genau. Wenn weniger Menschen in „Lohn und Brot“ sind, habe ich weniger Einnahmen. Da dann mehr Menschen auf staatliche Unterstützung angewiesen sein werden, muss ich auch mehr ausgeben. Ich weiß wie viel Personal ich habe (jedenfalls in den Größenordnungen) und wenn ich gut bin, habe ich sogar berechnet, wie sich die Pensionen entwickeln.
Auch hier ein aktuelles Beispiel: Wie viele Beamte kann und werde ich wirklich abbauen?
Aus diesen unsicheren Faktoren entsteht eine Zahl. Wenn man weiß wie sie entsteht, weiß man, wie sicher es ist, dass man sie auch genau erreicht. Diese Zahl muss sich aber nicht nur an der Wirklichkeit orientieren, sondern auch an Vorgaben. So dürfen nur bestimmte Neuschulden gemacht werden. Die Verschuldensquote soll gering gehalten werden. Da fragt man sich dann manchmal: Haben die Zahlen den Vorrang oder das was rauskommen muss?
Erstaunlich oft stimmen die Zahlen, nicht genau, aber annähernd. Die Güte einer Regierung misst sich auch daran, ob sie es schafft, die Zahlen, die sie vorausgesagt hat, einzuhalten. Genau wie dies auch im privaten Haushalt der Fall ist.
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